(Letzte Änderung am 6.12.2019)

 

IM BAU... 16.05.2021

In welchem Alter kann man anfangen, Querflöte spielen zu lernen?

Meiner Meinung nach ist die beste Zeit und das beste Alter, um etwas zu erlernen, grundsätzlich die Zeit, in der man Lust hat, dieses etwas zu tun...

 

Das ist schon eine einfache und klare Antwort für Jugendliche und Erwachsene. 

 

Und wie ist es mit Kindern? Es passiert manchmal, dass ein Kind selber zur Idee kommt, ein Musikinstrument zu erlernen (oder öfter, dass es ganz einfach ein Musikinstrument spielen will). Ich denke, man sollte es in so einem Fall unterstützen, egal wie alt es ist. Meistens aber ist es eher die Idee der Eltern. Eine gute Idee, eigentlich... Nur stellt sich dann die Frage des Alters

 

So weit ich weiß, hatte ich nie den Wunsch geäußert, ein Musikinstrument zu spielen, als meine Eltern mich an eine Musikschule anmeldeten. Sie haben mich zur Musik geführt, und ich werde ihnen dafür (und für Vieles mehr, natürlich...) für immer dankbar sein.

 

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Um nun etwas genauer zu antworten, würde ich sagen: Das günstigste Alter, um anzufangen, ist jedes Alter zwischen circa 8 und 60 Jahren. Eine ziemlich breite Spanne... aber man kann auch früher oder noch später anfangen. Ich gebe zu, es ist keine viel präzisere Antwort, aber es ist so.

 

Das heißt, wenn ein sehr junges Kind sich selber wünscht, Querflöte spielen zu lernen, kann man schon mit 6 Jahren anfangen. Wenn es eher den Wunsch der Eltern ist, würde ich empfehlen, ein bisschen abzuwarten.

 

Mit 6 Jahren ist es möglich. Mit 7 wird es besser. Ab 8 Jahren ist alles einfacher. Nach oben gibt es so gut wie keine Grenze.

 

Ich habe bis jetzt 6- bis 64-jährige Anfänger begleitet. Manche lernen schnell, andere langsamer, den einen fällt es leicht, andere haben größere Schwierigkeiten... Einen Zusammenhang mit dem Alter ist mir auch mit über 20 Jahren Unterrichtserfahrung nicht aufgefallen. Man lernt ja nicht schneller oder besser, weil man jung oder alt ist. Menschen in verschiedenem Alter lernen nur anders.

  

Übrigens würde ein "Spätanfänger" auch schnell "aufholen", wenn er nur motiviert ist. Die Motivation, die Lust, das ist wohl die größte Qualität - eigentlich die einzige, die wirklich zählt.

 

(Ich bin sogar davon überzeugt, dass es noch möglich wäre, mit 40 anzufangen und ein sehr hohes, ein wirklich professionelles Niveau noch zu erreichen... wenn man es wirklich will und dementsprechend, das heißt gut und genug üben würde. Viele Lehrer würden wahrscheinlich sagen, es sei Fantasie. Ich bin sicher, es wäre möglich. Es ist natürlich nicht das Ziel der meisten Schüler, aber es wäre möglich.)

Hier möchte ich noch als Beispiele zwei ehemalige Schüler nennen: Anne und Kyrill.

 

Das sind nur zwei Beispiele unter vielen, die sagen, dass die Musik wohl nicht zu einem bestimmten Alter passt oder Menschen in einem bestimmten Alter mehr oder weniger guttut...

 

Natürlich empfinden ein Kind, eine junge Person und ein reifer Mensch die Dingen anders, und sie werden auch das Erlernen, das Musizieren und die Musik überhaupt unterschiedlich erleben, aber das bedeutet nicht, dass die Einen oder die Anderen weniger davon profitieren oder dadurch eine geringere Freude bekommen würden.

 

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2013 meldete sich bei mir eine Frau, die heißt Anne, die hätte gerne Querflöte gelernt, zweifelte aber daran, ob es in ihrem Alter vernünftig oder überhaupt noch möglich sei. Sie stellte sich am Telefon als "ein schlimmer Fall" vor. Denn sie war 64 Jahre alt und hatte noch nie Musik gespielt - nicht mal Blockflöte in der Kindheit. Ich ermutigte sie und erklärte ihr, es sei überhaupt kein Problem. Ein paar Tage später kam sie für eine Probestunde.

 

Sie war Lehrerin. Obwohl sie nicht gerade übermäßig selbst-bewusst war (siehe ihre Worte am Telefon...), traute sie sich kaum ein Jahr nach ihrem Anfang bei einem Schulfest vor ihren Schülern und Kollegen vorzuspielen! Sie erzählte mir es dann bei ihrer nächsten Flötenstunde mit Freude und, ich glaube, ein bisschen Stolz... Sie spielte bald auch in einem Ensemble mit anderen Amateurmusikern bei Proben und Konzerten.

 

Sie übte regelmäßig, nahm in den ersten Jahren fast jede Woche eine Unterrichtsstunde, und besuchte auch Konzerte. Dadurch entwickelte sie ihren musikalischen Geschmack.

 

Man denkt oft, dass Kinder einfach und schnell lernen, dass sie alles wie einen Schwamm aufsaugen, während Erwachsene nur mühsam und auf jeden Fall langsamer es schaffen. Ich denke anders, und Anne offensichtlich auch, denn sie machte schnellere Fortschritte als die meisten meiner Schüler (jungen und älteren zusammengenommen), und dies obwohl sie gar keinen musikalischen Hintergrund hatte. Sie hatte aber einfach Lust auf Musik.

 

Im Jahr 2018 kehrte ich nach Frankreich zurück. Ich weiß, dass sie weiter Unterricht genommen und im Ensemble gespielt hat. Sie hatte nicht nur ziemlich schnell gelernt, sondern war auch aus allen meinen Schülern und ehemaligen Schülern eine von denen, die die Musik am meisten genießen und denen das Musizieren am meisten gut tut.

 

 

Kyrill fing mit 9 Jahren an. Der Anfang war nicht so einfach. Er hat bei der Probestunde große Schwierigkeiten gehabt, um einen Ton zu erzeugen. Erst nach 40 Minuten gelang ihm das. Er hatte aber Lust...

 

In der zweiten Stunde ging es schon ein bisschen besser. Er kam jede Woche mit guter Stimmung und Wille, übte auch zu Hause, und kam so Woche für Woche immer einen Schritt weiter. Er machte solche Fortschritte, dass er nach ein paar Monaten einen schöneren und kräftigeren Klang hatte, als viele Schüler nach mehreren Jahren haben.

 

Er spielte immer voller Energie, dazu auch oft fehlerfrei (was heutzutage keine Selbstverständlichkeit ist), und strahlte immer, wenn er ein Stück schön gespielt hatte. Er schien dabei, so glücklich zu sein...

 

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Wirklich: Das Alter zählt nicht.

 

Die Musik tut einfach gut,

dem Geist und der Seele,

Kindern wie Erwachsenen.