Was bräuchte man denn, um nicht nur gut, sondern ein hervorragender Flötist zu werden?

(Letzte Änderung am 27.12.2019)

In der vorigen Unterseite sagte ich, um ein guter Flötist zu werden, braucht man "nur" es zu wollen. Um wirklich exzellent zu werden, braucht man ein bisschen mehr...

 

 

Die Lust (ebenso),

 

Denn ohne Lust lernt man nur mühsam - auch mit ordentlich viel Üben. Das Gehirn lernt aber so leicht, und viel, und schafft Wunder, wenn wir Dingen tun, die uns wirklich interessieren...

 

 

Fleiß (ein bisschen mehr),

 

Wenn man wirklich dabei ist, wenn man mit Konzentration übt, kann man mit einer Viertelstunde pro Tag gut werden. _ Eine Stunde täglich kann schon ausreichen, wenn man effizient arbeitet, um ein Niveau zu erreichen, das den Abschluss eines Studiums (mit Hauptfach Querflöte natürlich) an einem guten Konservatorium entspricht. _ Um das Feinste zu erreichen, wird selbstverständlich mehr Arbeit erforderlich. Aber mehr ist auch nicht immer besser. So, denke ich, sind (im Durchschnitt) 3 Stunden persönliches Übens am Tag das Höchste, was vernünftig ist und wirklich und positiv wirkt. (Ich habe eine Zeit lang wesentlich mehr als das geübt, wurde dafür schlecht belohnt... Siehe die Unterseite über die Dystonie.) Viel wichtiger als die Stundenzahl sind die Konzentration und die Methode - immer mit Vertrauen und mit Geduld verbunden...

 

 

einen guten, einen echten Lehrer - einen, der selber spielt, ein begeisterter Musiker und Lehrer ist und Lust hat, seine Begeisterung mit seinen Schülern zu teilen und denen zu helfen, sich zu entwickeln (wäre ein Plus),

 

Wunderkinder und kleine Genies der Flöte schaffen es auch ohne. ("Gott sei Dank!"... denn die meisten Lehrenden sind eben nicht, was ich gute oder echte Lehrer nennen würde - manchmal wegen Kompetenzmangel, manchmal weil ihnen Mitgefühl und Empathie fehlen. (Dies letzte ist bei den "großen Lehrern" besonders oft der Fall.) ) Sogar manche unter den nicht Hochbegabten können es ohnen einen guten Meister schaffen, wenn sie es wirklich stark wünschen und einen außerordentlichen Wille besitzen. Wie lang und hart ihnen aber der Weg wird... Besonders für alle, die nicht besonders begabt sind, kann ein guter Lehrer eine große Hilfe sein - um ihnen Begeisterung und Energie zu geben, wenn ihre Kraft sinkt; um sie in den Zeiten des Zweifels zu ermutigen; um ihnen zu vermeiden, sich auf falsche Wege zu irren; um ihnen zu helfen, immer ein bisschen weiter zu sehen...

 

 

Musik (zu)hören,

 

Das ist ja selbstverständlich. Dennoch hören viele Schüler keine oder nur selten "klassische Musik". Musik ist aber wie eine Sprache... Wie sollte man die lernen, ohne die zu hören? Man sollte viel Musik hören und zuhören (natürlich nicht nur Querflöte), und sich vom Werk der Meister (der großen und der etwas kleineren) ernähren, beeinflussen und erziehen lassen.

 

 

eine gute Arbeitsmethode,

 

Denn es ist ja gut zu üben, aber noch besser ist es, gut zu üben. Man kann auch negativ üben, und sogar "sich kaputtüben". Eine bestimmte Arbeitsmenge ist wohl erforderlich, um ein sehr hohes Nivau zu erreichen, aber man solle noch lieber zu wenig als schlecht üben.

 

 

Vertrauen - in seinem Lehrer (gegebenenfalls) und in sich selbst,

  

Man soll seinem Lehrer vertrauen, wenn man das Glück hat, einen guten gefunden zu haben. Es ist ja manchmal schwierig und unangenehm, eine Technik, an die man sich angewöhnt hat, zu "verlassen". Manchmal muss man annehmen, zuerst ein oder mehrere Schritte zurück zu machen, um dann weiter voran gehen zu können. Der Schüler lernt oft "tastend", während der gute Lehrer weiß, wohin und über welche Wege er ihn führen soll. Man kann einen Schüler aber nicht gegen seine Wille führen... | Nicht weniger wichtig ist das Vertrauen in sich selbst. Alles wird ja schwierig, wenn man glaubt, es sei schwierig oder man sei nicht fähig genug. Aber das menschliche Gehirn - ihr Gehirn - kann es. Tatsächlich! Sehr gut Querflöte spielen, ein sauberes, ausdrucksstarkes und fein nuanciertes Spiel, das ist ja extrem kompliziert... aber es ist nicht schwer. Denken Sie ein Augenblick darüber nach: Die meisten Dingen, die wir jeden Tag machen, sind wohl wahnsinnig kompliziert. Das ist kein Witz! Allein schon aufstehen und gehen ist ein extrem kompliziertes Verfahren, wenn man bedenkt, was unser Gehirn dafür alles "rechnen" soll. Jedoch kann das jeder Mensch, der nicht von einer bestimmten Behinderung betroffen ist. Ebenso: Jeder, der nicht unter einer gewissen mentalen oder physischen Behinderung leidet, kann ein hervorragender Flötist werden. Das menschliche Gehirn kann es einfach.

 

 

und Geduld

 

Wir müssen arbeiten - nach intelligenter Weise, genug und mit Vertrauen und Geduld - und die Fortschritte werden folgen. Wir können aber nicht selber entscheiden, wie schnell wir uns entwickeln. Den Rhythmus müssen wir annehmen. Ihn beschleunigen können wir sowieso nicht. Wir können ihn nur akzeptieren, oder riskieren, ihn zu verlangsamern oder zu blockieren.

Was man manchmal für erforderlich hält...

 

Im jungen Alter anfangen

 

Es ist überhaupt nicht wichtig, in welchem Alter man anfängt. Das heißt, um eine große Karriere zu schaffen, vielleicht - allerdings, weder für technische noch für künstlerische Gründe... Um ein gutes oder sogar ein sehr hohes Niveau zu erreichen, ist das Alter aber ganz und gar unbedeutend. Jung anfangen ist keine Voraus-setzung, spät anfangen keine Behinderung. 

 

 

Ein außerordentliches Talent besitzen

 

Es gibt natürlich mehr oder weniger begabte Schüler. Wie einfach oder schwierig ihre Anfänge sind, sagt aber nichts darüber, was sie nach ein paar Jahren erreichen werden. Wenn Talent und Arbeit zusammen selbstverständlich am Anfang die schnellsten Fortschritte ergeben, gibt es auch Schüler, die zuerst weniger als mittelmäßige Fähigkeiten zeigen und doch sehr gut werden - und manchmal so gut wie die Begabtesten. Das kann geschehen, wenn sie die Musik lieben, das Flötenspiel genießen, und üben: regelmäßig, genügend und nach intelligenter Weise.

 

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Andere sagen das Gegenteil. Das ist aber meine feste Meinung: Ich glaube, dass unsere Lebensgeschichten nicht vorherbestimmt sind. Man kann nicht in den Anfängen lesen, was sein wird. Ich glaube einfach, dass der Wille und die Intelligenz Vieles ermöglichen...