Wieso wir unsere Kinder von Bildschirmen aller Art schützen sollten

(Letzte Änderung am 19.01.2020)

 

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Im Laufen der Jahre habe ich in meiner pädagogischen Tätigkeit feststellen müssen, wie das Verhalten und das Niveau der Schüler (insbesondere der Kinder und der Jugendlichen) im Durchschnitt sich verschlechtert hat. Nahezu alle, die sich einer pädagogischen Tätigkeit widmen, scheinen diese Entwicklung zu bedauern.

 

"Gott sei dank!", betrifft es nicht alle Kinder. Der Großteil aber...

 

Die wichtigsten Merkmale dieser Etwicklung sind:

 

- die Unkenntnis elementarer Verhaltensregeln, mit häufigen Zeichen von Respektlosigkeit als logischer Folgen

 

- der Mangel an strukturierstes Denken

 

- die dramatisch schwache Aufnahme- und Konzentrations-fähigkeit

 

Die Ursachen sind sicher vielfältig. Unter denen sind die heutige Art der Erziehung und das Verhalten der Erwachsenen den Kindern gegenüber natürlich von großer Bedeutung. Vielleicht gibt es dazu umweltbezogene Gründe.

 

Was zumindest den letzten Punkt angeht, ist meiner Meinung nach (eine Meinung, die viele Pädagogen, Ärzte und Wissentschaflter zu teilen scheinen) auch ein anderer Grund - ein, auf den die Eltern und in einem geringeren Maße die Schullehrer schnell und einfach bewirken könnten: die Allgegenwart und die übertriebene, unvernünftige Nutzung von digitalen Geräten, von Rechnern und Bildschirmen aller Art und von Internet...

Sicher findet man auch in deutscher Sprache viele Artikel über das Thema, das langsam aber endlich ernst genommen wird.

 

Die Bilder und Texte auf dieser Seite stammen aus einem Artikel, das in der französichen Zeitung L'Alsace am 17.12.2019 erschien. Diese werden mit freundlichem Erlaubnis der Zeitung hier öffentlich gemacht. Verantwortlich für die Übersetzungen bin ich.

Titel: Machen Bildschirme unsere Kinder dumm?   _ _              Die Mama ruft: "Luca, wo bist du?"
Titel: Machen Bildschirme unsere Kinder dumm? _ _ Die Mama ruft: "Luca, wo bist du?"

 

 

 

Übersetzung:

 

MERKMALE

 

 

 

 

- In den westlichen Ländern verbringen Kinder im Alter von weniger als 2 Jahren täglich im Durschnitt um die 50 Minuten vor einem Bildschirm.

- Ab 2 Jahren sind es 2 Stunden.

- Zwischen 8 und 12 Jahren sind es 4 St. und 45 Min. .

- Zwischen 13 und 18 Jahren: 6 St. und 45 Min. Dies bedeutet respektiv 1/4, 1/3 und 40 % der Wachzeit jeder Altersgruppe. "Eine hoch übertriebene Zeit", so Michel Desmurget (Inserm).

 

- 19 % der Kinder zwischen 8 und 12 Jahren verbringen mindestens 1 Stunde täglich vor einem Bildschirm; für 20 % dieser Altersgruppe sind es mehr als 6 Stunden.

- 39 % der 13-18 Jahren-Gruppe verbringen vorm Bildschirm mehr als 6 Stunden, für 12 % dieser Altergruppe sind es weniger als 1 Stunde.

 

Jugendliche aus sozial schwachen Milieus widmen der digitalen Welt jeden Tag 2,5 Stunden mehr als die, die in den privilegierten Sozialschichten leben.

 

 

Übersetzung:

 

An die Eltern - Die richtige Art, damit umzugehen

 

 

Kein Bildschirm überhaupt vor 2, vor 3 oder vor 6 Jahren? Die Meinungen sind unterschiedlich. Die Association française de pédiatrie ambulatoire (Französischer Verein für ambulante Pädiatrie) übernimmt die Regel des Psychiaters Serge Tisseron: Kein Fernseher vor 3 Jahren, keine persönliche Spielkonsole vor 6 Jahren, Internet erst nach 9 Jahren und soziale Netze nach 12 Jahren. Die U.S. amerikanische Akademie für Pädiatrie, die lange Zeit "Kein Bildschirm vor 2 Jahren" empfiehl, hält nun für korrekt, dass die Kleinen ab 18 Monaten "manche Sendungen von guter Qualität" schauen können, wenn die Eltern mit ihnen bleiben und interagieren. Sie empfiehlt eine Grenze von 1 Stunde pro Tag für Kinder zwischen 2 und 5 Jahren. Die Welt Organisation für Gesundheit empfiehlt: kein Bildschirm vor dem Alter von 1 Jahr und nicht mehr als 1 Stunde für Kinder von 2 bis 4 Jahren.

 

Für Michel Desmurget gilt "kein Bildschirm vor 6 Jahren". "Wir sind Gewohnheitsmenschen, und je früher das Kind mit Bildschirmen beschäftigt wird, desto höher ist das Risiko, dass er ein eifriger Nutzer wird. Um gut zu wachsen, braucht das junge Kind keinen Bildschirm. Es braucht, dass man mit ihm spricht und ihm Geschichten vorliest. […] Es braucht, sich zu langweilen, zu spielen, Häuser zu bauen...", erklärt der Neurowissenschaflter. Zwischen 6 und 12 Jahren empfiehlt Michel Desmurget eine Höchstgrenze von 30 Minuten pro Tag, und dann maximal 60 Minuten ab 12 Jahren. Nach den wissenschaftlichen Studien scheint es, eine tägliche Nutzung von weniger als 30 Minuten habe keine negative Wirkung, und die Wirkung einer Nutzung von 30 bis 60 Minuten täglich sei "gering genug um erträglich zu sein", ergänzt der Forscher.  

 

Wenn über eine höchste erträgliche Nutzungsdauer nicht alle einig sind, finden andere Punkte breite Zustimmung:

- Kein Bildschirm im Schlafzimmer

- Inhalte müssen geprüft werden

- Kein Bildschirm vor der Schule, "denn es braucht die ganze Aufnahmefähigkeit auf"

und

- Ende des Verbrauchs mindestens 1,5 Stunden vor dem Schlafengehen.

 

S. M.

Übersetzung:

 

Wieso wir die Kinder von Bildschirmen

entfernen sollen

 

Nach dem Thema Fernsehen, im Jahr 2011, hat sich der Forscher in Neurowissenschaften Michel Desmurget mit dem der Wirkung der Nutzung von digitalen Geräten und Bildschirmen bei Kindern beschäftigt. Er hat Hunderten von internationalen Studien gelesen und verglichen. Er weist auf die Gefahren dieser Nutzung in einem Buch (auf Französisch: "La Fabrique du crétin digital, les dangers des écrans pour nos enfants, Le Seuil). Die Spezialisten auf dem praktischen Feld machen die gleiche Feststellung.

 

Das neue Kuscheltuch

 

Das "smartphone", das dem Kleinkind gegeben wird, um es zu beruhigen: Alle Profis, die im Bereich der frühen Kindheit arbeiten, haben diese Szene gesehen. "Es ist ein bisschen wie ein Lutscher geworden," bemerkt Dr. Véronique Ronzière, Leiterin der PMI (Mütter- und Kinderschutz) der Stadt Lyon.

 

Bei den Hausbesuchen sehen diese Profis auch den ständig angemachten Fernseher, das Gerät im Schlafzimmer von 6-jährigen Kindern, oder dass sie gar keine traditionnelle Spielzeuge haben. "Manche haben nie Würfel gespielt oder sagen, wenn man ihnen ein Bild zum Ausmalen anbietet, dass sie keine Farbstifte zu Hause haben," erzählt Véronique, Logopädin.

 

Da in den sozial benachteiligten Familien im Durchschnitt mehr Zeit den digitalen Geräten gewidmet wird, wird es zum Faktor der Ungleichheit.

 

Rückständige Entwicklung

 

Diese übermäßige/unpassende Nutzung ist die Ursache von Rückständen in der Entwicklung von Kindern, die in den von Michel Desmurget in seinem Buch zitierten Studien gemessen werden.Fernsehen Schauen vor 3 Jahren ist mit einem Rückstand in der kognitiven Entwicklung gegen 6-7 Jahre verbunden, mit Wirkung im Bereich der Aufmerksamkeit, der Kreativität, der exekutiven Funktionen...

 

Ein "Tabletcomputer" (Wie sagt man das auf Deutsch?! Flachrechner?) einem kleinen Kind geben, das behindert die Entwicklung seiner Feinmotorik, wie Dr. Anne-Gaële Verstraete, Mütter- und Kinderschutz-Ärztin feststellt. Sie ist von der "schwachen Entwicklung der Handfertigkeit" mancher 3- und 4-jährigen Kinder beeindruckt, die Schwierigkeiten haben, um einen Stift zu halten. Andere "machen die Geste, mit der man auf dem Gerät ein Bild vergrößert oder verkleinert, wenn man ihnen in die Hand ein Kinderbuch gibt", erzählt auch Dr. Ronzière.

 

Weniger Austausch, weniger Wörter

 

Die Entwicklung des Kindes hängt sehr von der Breite der Interaktionen mit den Erwachsenen. Nun aber nimmt das Austauschen in den Familien mit der Allgegenwart der Bildschirme drastisch ab. Forscher haben Kinder im Alter von 2 bis 48 Monaten mit Aufnahmegeräten ausgestattet. Sie stellten fest, dass Kinder an einem Tag im Durchschnitt 925 Wörter hören konnten, dass diese Zahl aber auf 125 Wörter fiel, wenn der Fernseher an war. Im Alter von 18 Monaten wird für jede halbe Stunde, die vor einem mobilen digitalen Gerät verbracht wird, die Wahrscheinlichkeit eines Rückstandes in der Sprachentwicklung um 2,5 vervielfacht. Was die Altersgruppe der 6- bis 16-jährigen betrifft, je mehr Zeit sie vor dem Fernseher oder mit Videospielen verbringen, desto geringer ist ihr "verbal-IQ".

  

Schlafdefizit und das folgende Dominoeffekt

 

Bildschirme stehlen auch Schlafzeit: Man geht später schlafen, hat Schwierigkeiten einzuschlafen, wird nächtlich von SMS oder irgendeine Mitteilung aufgeweckt... Und dies wirkt mit Domino-effekt, denn es stört zuerst die Lernfähigkeiten, und später die Gehirnentwicklung und das Immunsystem. Dieses Defizit fördert auch Übergewicht, wie der Mangel an körperliche Aktivität und die Werbung für süße Getränke und Nahrungsmittel, der man durch Bildschirme ausgesetzt wird, es tun.

 

Spongebob Schwammkopf macht impulsiver

 

Der Schlafmangel und die übertriebene Nutzung von Bildschirmen erhöht auch die Impulsivität, wie eine im August veröffentlichte kanadische Studie es bestätigt hat. Im Jahr 2011 hatte ein Experiment schon gezeigt, dass 4- und 5-jährige Kinder, die einer Spongebob-Schwammkopf-Folge mit flottem Rhythmus ausgesetzt wurden, es schwieriger hatten, auf eine schnelle Belohnung zu verzichten, anstatt ein paar Minuten zu warten, um eine größere zu bekommen.

 

In der Schule: eher unterhaltsam als lehrreich

 

Im Jahr 1913 sagte Thomas Edison voraus, dass das Kino Bücher obsolet machen würde; später wurde behauptet, der Rundfunk und das Fernsehen würden die Schule revolutionieren... verspottet Michel Desmurget. Heute zeigen Studien die enttäuschenden Ergebnisse der digitalen Lernmittel an der Schule. "Es gibt wenig stabile Beweise, die zeigen, dass die Schüler durch eine erhöhte Nutzung von Rechnern bessere Ergebnisse in Mathe und im Lesen erreichen", stellt die Pisa-Studie fest. An der Universität reicht es aus, dass ein Telefon zweimal klingelt, so dass die richtigen Antworten auf einem Test um 30% sinken, während allein schon der Blick auf ein ausgemachtes Telefon die Konzentration verringert.

 

Im Jahr 2018 wurde das WLAN-Netz der Universität Lyon überlastet, nicht aber wegen der dokumentarischen Suchen der Studenten... sondern wegen einer massiven Nutzung von sozialen Netzwerken und Netflix.

 

Sylvie MONTARON 

 

 

 

Übersetzung:

 

Fortnite, ideal,

um ein Schuljahr

zu vermasseln

 

 

 

 

"Nie hatte ich so viele Kinder gesehen, die ein Schulajhr - die fünfte, die sechste oder die neunten Klasse, das Jahr vor dem Abitur oder sogar das erste Jahr an der Uni - wegen dieses Spieles verderben. Ich hatte noch nie ein Spiel gesehen, das so Sucht verursachend ist, wie Fortnite", sagt sehr verwundert der Dr. Olivier Revol, Chefarzt der Abteilung Psychopathologie und Entwicklung des Kindes der Universitätsklinik Lyon.


Frei ab 12 Jahre

 

Die Pegi-Bewertung, die die Spiele nach den Kriterien Gewalt und schockierenden Inhalten einstuft, verbietet Fortnite Kindern bis 12 Jahren, aber viele Kinder spielen schon ab der 5. Klasse, weil die Eltern nicht auf diese Bewertung achten.

 

Dennoch gibt Dr. Revol mancher Spiele Qualitäten zu: "Die lehren, Risiken zu meistern, sich in einem von einer Gruppe gegebenen Rahmen zu beherrschen, das Scheitern zu akzeptieren". Er empfiehlt den Eltern, sich für diese Spiele zu interessieren und den Rahmen mit Risikokindern "strenger zu machen".

 

"Videospiele machen nicht hyperaktiv, aber das Aufmerksamkeits-defizitsyndrom fördert jede Art von Sucht", betont der Kinderpsychiater.

 

Viel kritischer sieht das der Forscher in Neurowissenschaften Michel Desmurget, der erklärt, dass diese Spiele in keiner Weise dazu helfen können, Gehirnfähigkeiten zu verbessern, da sie hyperspezifische Wissen fördern, die nicht in einem anderen Feld von Nutzen sind: "Wenn man Super Mario spielt, lernt man hauptsächlich, Super Mario zu spielen, man wird nicht dadurch besser in Mathematik."

 

Noch schlimmer: So genannte "Ego-Shooter" Schießspiele, wie Call of duty [Spiele, in denen man das Spiel wie aus den eigenen Augen sieht - Anm. d. Red.] führen zu einer Hypertrophie der grauen Substanz im Hippocampus, was Besorgnis erregend ist, denn sie ist mit der Entwicklung von psychiatrischen Pathologien wie Schizophrenie und Depression verbunden. Michel Desmurget macht sich auch Sorgen über die schädlichen Folgen der Gewalt. Er erinnert daran, dass "Hunderten von Studien alle den Katharsis-Effekt widerlegt haben". Ein Spiel wie Grand theft auto nennend, fragt sich der Neurowissenschaftler: "Wie kann man glauben, dass diese Welle von Gewalt und Sexismus die Weltanschauung der Kinder beeinflussen wird?"

 

 

DIE ÜBERSETZUNG WIRD FORTGESETZT...