Georges Alirol, Flöte

Seite im Bau...

 

Zu dem ursprünglichen Text soll einen Briefwechsel mit Georges Alirol hinzugefügt werden. Dieser ist in der französischen Fassung schon zu finden. Ich werde in den nächsten Wochen an die Übersetzung arbeiten und kurze Abschnitte nach und nach hinzufügen, aber es wird eine Weile dauern, bis ich das Ganze schaffe. Dafür bitte ich um Verständnis.

 

Bis dahin können Interessenten, die Französisch verstehen, den vollständigen Text hier auf Französisch lesen:

 

https://www.vincent-thuet-querfloete.de/en-francais/les-grands-musiciens/georges-alirol/

WARNUNG: 

 

Als ich den ursprünglichen Text vor ein paar Jahren verfasste, habe ich den Fehler gemacht, mit nur wenigen Worten über ein kompliziertes Thema sprechen zu wollen - anstatt es gründlich zu behandeln.

 

In den folgenden Jahren schrieben mir mehrere ehemalige Schüler und Studenten von Georges Alirol, die diesen kurzen Text gelesen hatten. Alle drückten eine ähnliche Bewunderung für den großartigen, außerordentlichen Flötisten und Musiker aus, und bedauerten, dass er kein breiteres Publikum erreicht hat.

 

So ging es zuerst und ich dachte nicht mehr viel daran, bis zu dem Tag, an dem ich die Nachricht einer Freundin von ihm bekam. Sie war offensichtlich empört, empfand meine Worte als ungerecht und beleidigend. Ich möchte sie übrigens hier für ihre aufrichtige Reaktion noch einmal danken. Ich machte ihr eine lange Antwort, in der ich probierte, meine Gedanken klarer auszudrücken, und bat sie, diese Antwort an Georges Alirol weiterzuleiten, denn ich hatte seit langem mit ihm keinen Kontakt mehr. Das tat sie, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Der daraus entstandene Briefwechsel ermöglichte es jetzt, den Sinn dieser Seite klarer zu machen und ein bedauerliches Missverständnis zu lösen, und gab mir die Möglichkeit, ihm nach so vielen Jahren endlich meine Dankbarkeit auszusprechen und sagen zu können, wie hoch ich ihn schätze.

 

Seinem Vorschlag folgend füge ich hier nach dem ursprünglichen (zu kurzen und zu einfachen) Text unseren e-Briefwechsel einfach hinzu. Das Ergebnis ist ein viel längerer Text, der aber auch viel klarer und, ich glaube, sehr interessant geworden ist. Jedem, der sich für solche Fragen wirklich interessiert, kann man das Lesen des Ganzen nur herzlich empfehlen.

Hier der ursprüngliche Text:

 

Georges Alirol, Flöte

 

Nach Geigenunterricht fing er mit 11 Jahren an, Querflöte spielen zu lernen. Kaum 3 Jahre später wurde er schon in der Klasse von Jean-Pierre Rampal am Pariser Konservatorium angenommen. 2 Jahre danach schloss er sein Studium mit einem 1. Preis ab. Mit 17 wurde er beim Orchestre de Paris engagiert...

 

Nach so einem brillanten und raschen Anfang hätte man erwarten können, dass er zu einem der größten Solisten oder sonst zumindest erste Flöte in einem der besten Orchester der Welt wurde. Nun das Orchestre de Paris gehört wohl zu denen, aber blieb dort seine ganze Karriere lang "wie versteckt", als 2. Flöte. Er trat fast nie als Solist oder in Kammermusik auf. Ein bisschen ähnlich wurde seine Karriere als Pädagoge: Er war jahrzehntelang Lehrer an einer kleinen staatlichen Musikschule, in Evreux, dann an der in Créteil, unterrichtete zwar parallel dazu in den 90er Jahren am Pariser Konservatorium, aber nur als Assistent (in der Klasse von Pierre-Yves Artaud).

 

Eigentlich wäre das für einen normalen, durchschnittlich begabten Flötisten eine sehr begehrenswerte Karriere... Die entspricht so ein Talent aber gar nicht!

 

~ ~ ~

 

Er ist der Flötist, der mich am tiefsten beeindruckt hat - ein der Musiker, die mich am tiefsten beeindruckt haben.

 

Er besaß eine vollkommene Virtuosität. Da spreche ich nicht nur von Fingerfertigkeit, denn super schnell spielen kann fast jeder Profi. Er besaß aber viel mehr - die Vollkommenheit in allen Bereichen der Technik: Fingertechnik (selbstverständlich), Zungenstoß und Artikulation, Dynamik und Nuancen, rhythmisches Gefühl, rhythmische Genauigkeit, Atem und Luftführung... Und das Legato! So eine Phrasierung habe ich sonst nur bei Radu Lupu und Natalia Walter gehört.

 

Immer rhythmisch sehr präzis aber auch sehr poetisch, er konnte alles ausdrücken, vom Wildesten bis zu den feinsten Gefühlen. Er erzählte Geschichten besser als man mit Wörtern tun würde. Er war (ich schreibe in der Vergangenheit, weil ich ihn seit nun mehr als 15 Jahren nicht mehr gehört habe) nicht nur ein hervorragender, außerordentlicher Flötist, sondern auch - und das ist ja viel wichtiger! - ein großartiger, ein seltener Musiker.

 

~ ~ ~

 

Ich denke an ihn (wie auch an Natalia Walter) immer mit gemischten Gefühlen. Einerseits bewundere ich ihn sehr, andererseits macht es mich traurig und ich zürne ihm sogar einer Weise. Weil ich denke, so ein Talent darf man nicht verstecken!

  

Das Orchester ist eine wunderschöne Sache, und in einem wirklich tollen Orchester müssen ja alle Spitzenmusiker sein. Sicher. Aber es ist doch absurd, dem besten (wahrscheinlich dem besten Flötisten und ganz sicher dem besten Musiker unter den Flötisten des Orchesters) die 2. oder 3. Flötenstimme spielen zu lassen! Dazu sollten wiklich großartige Musiker auch Kammermusik spielen und als Solisten auftreten, sodass alle sie hören können!

  

Solch eine Begabung ist ein Geschenk - von der Natur, Gott, oder wie man es auch immer nennen mag... Ein Geschenk, das man mit seinen Mitmenschen teilen soll, bescheiden aber auch großzügig zugleich.

 

Ich sollte mir kein Urteil anmaßen. Eigentlich war ich nur eine kurze Zeit Schüler von ihm und ich habe ihn nicht wirklich persönlich gekannt. Es hat sicher seine Gründe, warum er keine größere Karriere gemacht hat. Aber es ärgert mich und macht mich traurig. Es ist doch zu blöd! Wirklich zu schade... Eine riesige Verschwendung...

  

Milliarden von Menschen verpassen das Wunder der klassischen Musik... Manche ja, weil sie in einer Welt leben, in der es leider für die Musik keinen Platz gibt. Aber alle anderen? Die Millionen von Menschen, die klassische Musik zwar hören oder gehört haben, die aber nicht ernst nehmen. Oder alle die, die glauben, es sei "nicht für sie"... Ihre Seele wurde vielleicht von der Musik nicht berührt, weil sie die nur von mittelmäßigen Musikern gehörte haben. Großartige Musiker, wie Georges Alirol oder Natalia Walter  hätten ihnen vielleicht die Türen zu einer Welt geöffnet, die sie gar nicht ahnen...

 

Ende des ursprünglichen Textes

 

Die Fortsetzung folgt...