Zur Verteidigung der deutschen Sprache

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In einer deutschen Musikzeitschrift las ich vor ein paar Jahren einen Bericht über eine neu erschienene Aufnahme der Sonate für Flöte und Klavier von Prokofiev in ihrer Urfassung:

 

"... Die Interpretation auf dieser CD (kann) wohl eher als eine Back-to-the-roots Aufnahme betrachtet werden."

 

Eine "Back-to-the-roots-Aufnahme"... Ist das nicht lächerlich? Oder jämmerlich. Nun, vielleicht arbeitete der Verfasser dieser hoch poetischen Prosa gleichzeitig an einem Artikel für das Metal Hammer Magazin. Er hätte aus Versehen Sätze aus den zwei Texten vertauscht...

 

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Anglizismen sind keine Bereicherung der Sprache.

 

Ein neues englisches Wort tritt in die Sprache ein. Nach wenigen Jahren - manchmal braucht es gar nicht so eine lange Zeit - ersetzt es ein deutsches Wort. Es wird als Deutsch angenommen. Das deutsche Wort wird nicht mehr verwendet und irgendwann gerät es in Vergessenheit.

 

Ich denke, es wird sich eines Tages keiner mehr finden, um einen Text auf Deutsch zu verstehen. Meinen Sie, ich übertreibe? Natürlich, übertreibe ich! Es werden immer Leute sein - vielleicht sogar Deutsche ;-) - die Deutsch sprechen und verstehen. Wie heute Latein...

 

Glauben Sie wirklich, dass ich übertreibe?

 

Es wird ja nicht morgen. Was aber nach ein paar Generationen - also übermorgen? Gehen Sie in Ihrer Stadt spazieren, hören Sie Rundfunk oder lesen Sie irgendwelche Zeitschrift... Lesen Sie mal, was ihr Kind in der Schule lernt... Hören Sie, wie die jungen Leute und kleine Kinder sprechen, und denken Sie daran.

 

Eine deutsche Schülerin hatte in einer deutschen Schule in Deutschland noch einen Unterricht auf Deutsch - nämlich Deutsch. Alle anderen Fächer wurden auf Englisch unterrichtet. Als ich sie einmal fragte, ob sie mir mit ein paar guten deutschen Schimpfwörtern helfen könnte, überlegte sie. Sie fand aber kein, sagte, sie kenne nur englische.

 

Spaß bei Seite: An der Uni wird sowieso bald nur noch auf Englisch unterrichtet. Was meinen Sie dann? Wieso sollte sich ein junger Schüler noch anstrengen, um seine Muttersprache schön zu sprechen, wenn er die später nicht mehr gebrauchen wird? Englisch ist sowieso viel einfacher. Und "cooler"...

Goethe, Schiller, Hölderlin, Heine, Rilke, Mann, Musil, Hesse, Kant, Schopenhauer, Nietzsche... Haben wir heute so viel feinere Gefühle oder kompliziertere Gedanken, dass die deutsche Sprache uns nicht mehr reicht? Gibt es ein Gefühl, einen Gedanken oder irgendwelchen Begriff, der mit deutschen Wörtern nicht ausgedrückt werden kann?

 

Deutsch war einmal zumindest eine der wichtigsten Wissenschafts-sprachen weltweit. Der Erfinder des Rechners, Konrad Zuse, war ein Deutscher, heute nennt man es in Deutschland Computer...

 

Ich bin nicht gegen Englisch. Ich kennen diese Sprache eigentlich nicht gut, aber sicher ist die, wie Französisch, Deutsch und ein paar andere, eine wertvolle Sprache. Nun, soll die bald die einzige werden und sollen alle andere verschwinden?

 

Die deutschsprachigen Länder, der deutschsprachige Raum, ist ein großes Land der Kultur. Ob man von Literatur, Musik, bildende Kunst oder Technik spricht, das würde niemand leugnen.

 

Und Deutsch ist auch eine schöne Sprache!

Ich bin Franzose, lebe seit 2010 in Deutschland. Egal wie ich mich bemühe, mein Deutsch wird immer der Ausdruck eines Franzosen auf Deutsch sein. Obwohl ich jeden Text dieser Internetseite zehn- bis hundertmal korrigiert habe, stecken sicher immer noch viele Fehler und Ungeschicklichkeiten drin. Aber ich bemühe mich zumindest und versuche, wirklich Deutsch zu sprechen.

Ich denke aber, es geht auch viel weiter, als das Verlernen einer wertvollen Sprache und den Verlust eines riesigen Teils unseres gemeinsamen kulturellen Erbes. Ich befürchte, der gedankenlose Umgang mit Fremdwörtern führt zur Verarmung des Denkens selbst. Weil man sich einfach nicht mehr die Mühe gibt, an den genauen Sinn der Wörter zu denken.

 

Das kann allerdings mit jeder Sprache geschehen - ob Englisch, Französisch oder Deutsch - und die meisten haben sich wahrscheinlich auch in den früheren Zeiten nicht mehr Gedanken über den Sinn gemacht...

 

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Nun, man könnte auch Englisch in allen Ländern fördern, um einfach eine Weltsprache zu schaffen. Eine Sprache, mit der alle Menschen in der ganzen Welt sich verständigen würden. Das wäre ja schön! Ich glaube leider nicht, es sei wirklich das Ziel... Sonst, für mehr Brüderlichkeit, wäre ich auch dabei!

 

Aber, so oder so, ich werde es noch versuchen, hier in Deutschland Deutsch zu sprechen. Einfach weil Deutsch eine schöne Sprache ist, und mit der man Gedanken sehr fein und sehr genau ausdrücken kann.

 

Übrigens, vielleicht sind wir doch noch klug genug, um zwei Sprachen zu beherrschen...